Förderung

Diplomand Raimund Henneken

Die Wald-Stiftung förderte im Jahr 2008 den Diplomanden Raimund Henneken, der in Südchile zur Produktivitätssteigerung von beweideten Nothofagus-Wäldern forschte.

Die Diplomarbeit wurde im Januar 2009 abgeschlossen.

Das Untersuchungsvohaben

Raimund Henneken untersuchte den Einfluss des Überschirmungsgrades eines Ñirre(Nothofagus antarctica)-Bestandes auf Wachstum und Qualität der darunterliegenden Grasweide im chilenischen Teil Patagoniens. Neben der Quantität der Weidegrasproduktion wurde ebenfalls die Qualität mittels der Artenzusammensetzung in vier verschiedenen Versuchsvarianten analysiert. Die vier Probeflächen von je einem Hektar Größe wiesen Überschirmungen von 60 % (Naturwald) bis 0 % (Kahlschlag) auf. Mit abnehmenden Grad der Beschirmung erhöhte sich die Strahlungsintensität in den Beständen. Die resultierende Variation des Mikroklimas, die anhand von meteorologischen Daten (Windstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit) untersucht wurde, stellte einen entscheidenden Faktor für die Produktivität der Waldweide dar. So konnte in aufgelichteten Beständen eine Produktivitätszunahme und eine Qualitätssteigerung der Weidepflanzen festgestellt werden. Geringere Erträge zeigten der naturbelassene und der kahlgeschlagene Bestand: im ersten Fall ließ sich der Minderertrag der Bodenvegetation durch die geringe Sonneneinstrahlung erklären, im zweiten Fall stellte die erhebliche Windbelastung auf der Kahlschlagfläche den Wachstums-limitierenden Faktor dar.

Zum Hintergrund

In der XII. chilenischen Region "Magallanes y la Antartica Chilena" dienen ungefähr drei Millionen Hektar Fläche der Viehzucht. Das sind ca. 23 % der Landfläche einschließlich reinen Steppen und Buschland mit geringen jährlichen Niederschlägen von nur bis zu 300 mm sowie niederschlagsreichere, bewaldete Regionen mit natürlichen Wiesen und Hochmooren umfassen. In den Wäldern mit geringeren Niederschlägen zwischen etwa 300-500 mm dominiert Ñirre (Nothofagus antarctica); bei Niederschlägen von 500-1200 mm ist mehr Lenga (Nothofagus pumilio) vertreten. Bei noch höheren Niederschlägen überwiegt die Baumart Coihue de Magallanes (Nothofagus betuloides).

Ñirre-Wälder bedecken in der Region 206.474 ha. Sie gehören zu den eher xerophytischen Waldformationen, die sich häufig in den Übergangsbereichen zur Steppe hin entwickeln. Ein beträchtlicher Anteil der ursprünglichen Wälder wurde in der Vergangenheit vernichtet und in Weideland umgewandelt. Hier ist seit den Anfängen der Kolonisation die Viehzucht das dominierende Element. Diese Nutzungsform ist jedoch nicht optimal, denn die Wälder werden nicht bewirtschaftet und die Viehhaltung ist extensiv. In der Konsequenz ist ein Rückgang der Weidewirtschaft zu verzeichnen. Gleichzeitig bestehen Schwierigkeiten, die Wälder zu erhalten oder zu erneuern.

In der Provinz "Ultima Esperanza", wo die Untersuchungen durchgeführt wurden, begann die Kolonisierung durch Viehzüchter im Zeitraum von 1893 bis 1910, wobei damals bereits alle die bis heute bekannten, besiedelbaren Flächen einbezogen worden waren. Die Ñirre-Wälder eignen sich meist wegen der Krummschäftigkeit und dem hohen Pilzbefall der Bäume wenig zur Produktion von Bauholz. Aus ihnen werden lediglich Brennholz und Pfähle gewonnen, die auf den chilenischen und grenznahen argentinischen Haziendas Verwendung finden. Darüber hinaus unterliegen diese Wälder einer intensiven Beweidung mit negativen Folgen für die Eigentümer sowie einer Störung des ökologischen Gleichgewichtes. Um den Trend zur Zerstörung des Ñirre-Waldes umzukehren und die Produktivität der Weiden und ihrer Fleischerträge zu verbessern, wurden im Jahr 2005 im Zuge eines chilenischen Projektes der Forstwissenschaftlichen Fakultät der "Universidad de Chile" und der "Fundación para la Innovación Agraria" (dt.: Stiftung für landwirtschaftliche Innovation) eine Reihe von Versuchsflächen angelegt, um die Waldbewirtschaftung unter Waldweidenutzung zu optimieren.
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